Adelnau (Posen)

 File:Krotoszyn Mapa.png Der Kreis Adelnau bestand von 1793 bis 1807 in der preuß. Provinz Südpreußen und danach bis 1919 im äußersten Süden der preuß. Provinz Posen (unweit der Grenze zu Niederschlesien) Das heutige Kleinstädtchen Odolanów - wenige Kilometer südwestlich von Ostrowo gelegen - besitzt derzeit ca. 5.000 Einwohner (Ausschnitt aus hist. Landkarte, aus: wikipedia.org, gemeinfrei und Kartenskizze 'Polen' mit Odolanów /Krotoszyn rot markiert, H. 2006, aus: commons.wikimedia.org CC BY-SA 3.0).

 

In Adelnau tauchen erste Hinweise auf jüdisches Leben gegen Ende des 18.Jahrhunderts auf; eine Gemeinde bildete sich nach 1800 heraus.

Ende der 1820er/Anfang der 1830er Jahre wurde im Ort eine Synagoge errichtet, die einige wohlhabende Juden finanziert hatten.

Bereits Anfang des 19.Jahrhunderts war auch ein jüdischer Friedhof angelegt worden; ein neues Begräbnisgelände wurde dann gegen Ende des 19.Jahrhunderts geschaffen. Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehörte auch eine Mikwe.

Bis in die 1870er Jahre besaß die Gemeinde einen eigenen Rabbiner; danach gab es einen jüdischen Lehrer/Kantor, der die rituellen Dinge besorgte. Eine jüdische Elementarschule gab es in Adelnau nicht; die Kinder besuchten die evangelische Ortsschule; Religionsunterricht soll ein Gemeindeangehöriger erteilt haben.

Juden in Adelnau:

--- 1794 ...........................  34 Juden,

--- 1816 ...........................  92   “  ,*    *andere Angabe: 48 Pers.

--- 1830 ........................... 129   “  ,

--- 1840 ........................... 200   “  ,

--- 1850 ........................... 227   “  ,

--- 1861 ........................... 239   “  ,

--- 1871 ........................... 227   “  ,

--- 1885 ........................... 199   “  ,

--- 1900 ........................... 166   “   (in ca. 25 Familien),

--- 1910 ........................... 104   “  ,

--- 1921 ...........................  50   “  ,*   * andere Angabe: 27 Pers.

--- 1930 ...........................  15   “  .

Angaben aus: Odolanów, in: sztetl.org.pl

Odolanów | FacebookStraßenzug in Adelnau (aus: facebook.com)

 

Nach Ende des Ersten Weltkrieges verzogen die meisten der noch im Ort lebenden jüdischen Familien in Richtung Deutschland; zurückblieben nur sehr wenige. Diese wurden nach der deutschen Okkupation (Anfang Sept. 1939) verschleppt; ihr Ziel war das Ghetto Lodz.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde der jüdische Friedhof nahezu völlig zerstört; deshalb sind heute auf dem ca. 5.000 m² großen Gelände keine Grabsteine ​​erhalten geblieben, nur ein Pfeiler des Eingangstores zum ehemaligen Friedhof markiert noch dessen einstige Existenz.

Ehem. jüdisches Friedhofsareal (Aufn. ESJF European Jewish Cemeteries Initiative, 2021)

Auch das Synagogengebäude wurde während der NS-Zeit verwüstet und diente nach 1945 längere Zeit als Wohn- und Lagerhaus; gegenwärtig ist es eine Ruine. Damit ist es das einzig noch verbliebene bauliche Relikt, das auf die einstige jüdische Gemeinde Odolanòws verweist.

Ehem. Synagogengebäude in Odolanów (Aufn. Jaroslaw Budyta, 2013)

 

 

Weitere Informationen:

A.Heppner/J.Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Koschmin - Bromberg 1909

Sophia Kemlein, Die Emanzipation der Juden im Großherzogtum Posen 1815 - 1848, Magisterarbeit an der Christian-Albrechts-Universität Kiel 1987

Odolanów, in: sztetl.org.pl

K. Bielawski (Red.), Odolanów (Adelnau), in: kirkuty.xip.pl

Jewish Families from or connected to Town of Adelnau Odolanow Poland, online abrufbar unter: geni.com/projects/Jewish-Families-from-or-connected-to-Town-of-Adelnau-Odolanow-Poland/4477522